Artgerechte Auslastung
- andreschrader
- 20. Feb. 2021
- 2 Min. Lesezeit
Es war wohl einer der härtesten Winter der letzten Jahre. Der Frost mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich beherrschte das Dasein und Stürme fegten seit Tagen unermüdlich über das ganze Land. Meterhohe Schneeverwehungen machten ein passieren der Straßen nahezu unmöglich und mehrere Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten.
Die Menschen verschanzten sich in ihren Wohnungen, wo die Kaminöfen auf Hochtouren liefen. Nur gelegentlich sah man dick vermummt einen Hundebesitzer mit seinem Vierbeiner auf einer kurzen Runde um den Block.
Jetzt aber saß Malou vor der Terrassentür und starrte gedankenverloren auf die Veranda:
„Verdammt, ist mir langweilig,“ seufzte er vor sich hin.
Ich hatte es mir mit einer dicken Decke auf dem Sofa gemütlich gemacht und hatte bereits Level 14 von meinem neuen Handyspiel erreicht.
„Aber so richtig!“ verlieh Malou seiner Situation Nachdruck.
„Langeweile ist manchmal die Inspirationsquelle für etwas ganz Außergewöhnliches,“ entgegnete ich. Den Satz hatte ich mal irgendwo gelesen und fand ihn nun ganz passend. „Sie kann dich auf ganz neue und verrückte Ideen bringen. Also, beschäftige Dich mal alleine. Oder lies mal wieder ein gescheites Buch.“
„Lesen.“ Malou verdrehte die Augen. „Die Bücher habe ich schon alle durch. Und immer nur geht es um eines: Jagen, Jagen, Jagen.
„Jagen im Wienerwald“, „365 ultimative Jagdtipps“, „Auf der Pirsch nach dem Hirsch“ …
Nee, das hängt mir zu den Ohren raus. Ich möchte mal etwas Besonderes machen. Ich möchte etwas schaffen, etwas Kreatives und Nachhaltiges, etwas, woran sich die Hunde noch in Jahrzehnten erinnern.“ Sein emotionales Tief schien überwunden. „Es müsste etwas Ausgefallenes, noch nie Dagewesenes sein, was die Tierwelt noch nicht gesehen hat. Jetzt weiß ich: die hohe Kunst der Muse, oder besser noch: klassisches Ballett…Ich kann es förmlich vor mir sehen.“ Seine Augen strahlten jetzt einen besonderen Glanz aus. Ich kannte diesen Ausdruck bei ihm. Und ich wusste, wenn er sich etwas vorgenommen hatte, dann zieht er es auch durch. „Einmal im Bolschoi – Theater auf der Bühne stehen. Schwanensee, der Nussknacker oder vielleicht doch lieber Romeo und Julia? Los, räum Dein Studio leer. Ich muss trainieren.“ Sprach es und sauste die Treppe hinauf. „Und Du spielst die Julia.“ „Einverstanden,“ rief ich ihm nach. „Aber ich zieh kein Tütü an, hast Du gehört? KEIN Tütü!“



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