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Jagdtrophäen

  • andreschrader
  • 2. Feb. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Eigentlich ist die Jagd nicht so unser Ding. Ich habe in jungen Jahren eine pazifistische Erziehung genossen und Malou macht bekanntermaßen lieber sein eigenes Ding. Der Drill in der Jagdschule mit festen Regeln langweilt ihn nach kurzer Zeit. Einsatzbereit bei jedem Wetter? Eher nicht.

Besondere Umstände haben allerdings für einen kurzfristigen Sinneswandel bei uns gesorgt. Eine blonde Schönheit aus unserem kleinen Ort mit ihrer adretten Weimaraner-Hündin hatte sich nämlich in den Anfänger-Kurs eingetragen. Da konnte es nicht schaden, wenn man mit einer kleinen Auszeichnung für besondere Fähigkeiten bei der Nachsuche Eindruck schinden kann.

Vorab noch den edlen Anbieter für exklusive Jagdbekleidung im angesagten Landhaus-Style aufgesucht, ein kleines Vermögen für die All-Inklusiv-Premium-Ausstattung ausgegeben und einen Luxus-Jeep der Stuttgarter Nobelmarke geleast. Für Malou sprang immerhin ein teures Lederhalsband mit Wildschweinapplikationen heraus.

So ausstaffiert zogen wir die vollen drei Monate des Lehrgangs durch. Zugegeben, wir haben uns nicht besonders geschickt angestellt. Aber am Ende haben wir den Jagdschein mit der besonderen Auszeichnung „summa com laude“ bestanden, obwohl wir kein einziges Tier erlegt haben:

Am letzten Prüfungstag trafen wir uns auf dem Waldparkplatz und die Jägerschaft setzte einen Lebendköder in einiger Entfernung aus. Die gesamte Meute preschte in die vorgesehene Richtung, nur Malou blieb seelenruhig neben mir bei Fuß. Was ich auch versuchte, er bewegte sich keinen Millimeter. Schadenfroh machte sich der Rest der Gruppe hinter vorgehaltener Hand bereits über uns lustig.

Der strenge Ausbilder nahm uns mit kritischem Blick ins Visier und kam mit militärischem Schritt auf uns zu. Jetzt war guter Rat teuer.

Ausbilder: „Hat Ihr Hund die Witterung aufgenommen?“ Ich nahm Haltung an: „Jawoll, Sir.“ Ausbilder: „Was zeigt er an?“ Ich: „Zwei Häsinnen auf 10 Uhr. 20 Monate alt. Zusammen 2,37 Kilogramm schwer. Entfernung 623 Meter.“ Ausbilder: „Und? Warum hetzt er nicht hinterher?“ Ich: „Er sagt, er kann nicht.“ Ausbilder: „Warum nicht?“ Ich: „Beide schwanger. 3 Woche…“

Lange schaute uns der Fachmann verdutzt an. Als er uns die Hand reichte, hatte er Tränen der Rührung in den Augen. Ihm sei noch nie ein derart umsichtiges Team mit solch ausgeprägtem Weitblick und Sinn für die Nachhaltigkeit des Bestandes vorgekommen.

Die restlichen Teilnehmer mussten sich hingegen eine Predigt über mangelnde Moral und Zurückhaltung anhören. Die Jagd sei schließlich mehr als nur das schnelle Sammeln von Trophäen.

Wie wahr…



 
 
 

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