Rocky
- andreschrader
- 2. Feb. 2021
- 2 Min. Lesezeit
Gestern hat sich die Mama ordentlich schick gemacht. Eine „Vernissage“ wollte sie besuchen, von ihrer besten Freundin, ohne uns. Also haben Papa und ich frühzeitig unseren treuen Hundeblick aufgesetzt, um ihr ein schlechtes Gewissen zu machen. Das gehört sich so, wie ich finde. Aber als dann die Tür ins Schloss gefallen ist, haben wir uns angeschaut und wie aus einem Munde gerufen: MÄNNERABEND.
Das Sofa hergerichtet, Füße auf den Tisch, die Schale mit den Chips auf dem Bauch abgestellt und das Bier in Reichweite. Für mich gab es getrocknete Hähnchensticks. Schnell noch die DVD eingeworfen und dann:
Rocky, Teil 1 – 4.
Meine Lieblingsstelle ist immer, als er sich auf den entscheidenden Kampf vorbereitet, mit den Schweinehälften boxt und fit wie ein Turnschuh oben an der Treppe vor dem „Philadelphia Museum of Art“ ankommt, untermalt von dem Soundtrack „Gonna fly now“. Herrlich.
Entsprechend motiviert haben wir uns am nächsten Tag ins Training gestürzt, um das angesammelte Testosteron wieder abzubauen. Locker lief ich vorweg und kundschaftete schon mal die Gegend aus, als er auf dem Feldweg plötzlich um die Ecke bog:
ein waschechter Boxer
So einer mit blutunterlaufenen Augen und tiefen Lefzen. Auf den ersten Blick ein echter Straßenkämpfer.
Kurz gestoppt, meinen durchtrainierten Körper gespannt und fixiert: ungefähr meine Gewichtsklasse, nicht zu groß, etwas behäbig. Also abgemacht und auf in den Ring.
Ich auf ihn zu mit einer Finte und ließ ihn gleich ins Leere laufen. Mit meiner lockeren Art tänzelte ich geschickt vor ihm auf und ab, wie Muhammed Ali zu seinen besten Zeiten. Dann aber, eine kurze Unaufmerksamkeit und ich fand mich im „Infight“ wieder. Der bullige Champion nutzte seine Chance und versetzte mir einen heftigen, fiesen, unfairen Kopfstoß. Ein übler Cut an meiner rechten Augenbraue (spätestens jetzt ist ein wenig Mitgefühl durchaus angebracht).
Sofort flog das Handtuch und wir wurden vom Ringrichter voneinander getrennt. "Technischer K.O. in der ersten Runde" heißt das wohl.
Also gleich ab zum Ringarzt zur Erstversorgung. Mutig wie ich war, habe ich nicht einmal geblinzelt, als er mir unbarmherzig das harte, kalte Metall in die Haut geschossen hat, um die klaffende Wunde zu schließen.“
„Malou? Mit wem redest Du da eigentlich wieder?“
„Ich. Ach, äh, mit niemandem?“
„Du musst aber schon bei der Wahrheit bleiben. Hast Du erwähnt, dass der Boxer lammfromm war und Du ihn gerammt hast? Und verschweige auch nicht Dein lautes Jammern beim Doktor wegen des kleinen Kratzers!“
„Also, Leute, ich muss jetzt Schluss machen. Wir sehen uns…“



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