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Übergangsmantel

  • andreschrader
  • 2. Feb. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Der Chef hatte mal wieder Aufgaben verteilt, die keinen Aufschub duldeten und so ist es erneut spät geworden auf der Arbeit.

Als ich endlich daheim eingetroffen bin, dämmerte es bereits. Also schnell die Leine geschnappt, um vor Einbruch der Dunkelheit die Runde mit dem Hund zu beenden. Vorher mussten natürlich noch die Bürosachen gegen die bequeme Funktionskleidung getauscht werden, draußen hatte es sich nämlich bereits merklich abgekühlt.

Malou beobachtete mich interessiert, als ich die Goretex-Jacke überwarf und den leichten Schal um den Hals legte: „Du, es gibt da etwas, worüber ich schon seit langem mit Dir reden wollte.“ „O.K. Aber halt Dich kurz, wir sind auf dem Sprung.“ „Ich habe nichts passendes anzuziehen.“ „Diesen Satz habe ich schon einmal gehört, aber noch nie von einem Hund…“

„Ich möchte eine Übergangsjacke.“

„Du möchtest WAS? Mal ehrlich, manchmal glaube ich, die bist verwöhnt. Wir haben für Dich einen Wintermantel für die arktische Kälte im Januar und einen Regenmantel für monsunartigen Niederschlag. Aber doch keine Übergangsjacke. Das ist was für kleine Mädchen, basta!“

„Was ist daran so schlimm. Auch ein Draufgänger kann frieren. Morgens ist es bereits richtig kalt, in der Mittagssonne zu warm und im Schatten wieder eisig. Da ist ein leichter, fellfreundlicher und atmungsaktiver Überwurf genau das Richtige. Sieh her, wie ich zittere.“

„Wir haben das Haus noch gar nicht verlassen…“

„Aber es zieht unter der Haustür durch!“

„Ich glaub´s einfach nicht. Warte hier. Ich fahr noch eben die Harley in die Garage und dann ziehen wir los. Ohne Jacke.“

„Ich mach Dir einen Vorschlag: ich verrate niemandem, dass du nur eine gemütliche Honda fährst. Und du kaufst mir dafür was Feines gegen den kühlen Wind.“

„Das würdest Du wirklich tun? Den Soft-Chopper erwähnen?“

Ich meinte, ein leichtes Lächeln um seinen Mundwinkel zu erkennen. Er wusste, dass er wieder mal gewonnen hatte.



 
 
 

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